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Marcus Rudert von Oneview.de: Vom Bookmarking 1.0 zur Expertencommunity 2.0

um 15:16 | Donnerstag, 28.09.2006 | Thema: Interview

Oliver Gassner: Hallo Marcus!
Marcus Rudert: Hallo Oliver
Oliver Gassner: Herzlichen Glückwunsch, du bist der erste Interviewte, der sich getraut hat, mabber.de zu benutzen ; )
Marcus Rudert: Das erfordert die Ehre und den Respekt zu Nico ;o) Ausserdem finde ich mabber.de eine sehr spannende Idee
Oliver Gassner: Hat es weh getan?
Marcus Rudert: Nein, hinterher geht einem immer ein Licht auf. Wo ein Wille, da auch ein Weg. Die Usability von mabber wird ja ständig verbessert und ist schon jetzt klasse.
Oliver Gassner: Dann kann es ja los gehen: Würdest Du Dich und deine Firma unseren Lesern bitte kurz vorstellen - uns interessiert natürlich auch, was du vor Oneview gemacht hast und neben Oneview (http://www.oneview.de) so tust.
Marcus Rudert: Mein Name ist Marcus Rudert und ich bin Gründer von oneview. Oneview ist eine Suchmaschine und ein Experten-Netzwerk von Menschen für Menschen. Aktuell ist die erste Säule von oneview das online bookmarking, sukzessive wird oneview sich aber zu einem echten Expertennetzwerk entwickeln. Vor oneview habe ich www.dooyoo.de mit 6 Freunden gegründet. Derzeit halte ich als Aufsichtsrat meine Hand über dooyoo ;o) Vor dooyoo verdiente ich neben meinem Studium mein Geld mit einer kleinen aber feinen Agentur für Webentwicklung (seit 1996). Neben meinem derzeitigen Fulltime-Job bei oneview geniesse ich die Natur soweit es die Zeit zuläßt. Kiten und Biken sind hier meine Favoriten. Zu dem habe ich eine kleine 3 jährige Tochter und ich kann gar nicht beschreiben wie glücklich und stolz ich bin.
Oliver Gassner: Ich sag mal: furl, del.icio.us, Mr. Wong, Taggling: Ist oneview nur ein "me too"-Produkt?

Marcus Rudert: Nein, wir sehen das anders. Der Ursprung von oneview liegt faktisch im online bookmarking. Oneview wurde ja bereits 1999 gegründet. Ohne Überheblich sein zu wollen, basieren die heutige social bookmarking / social search Angebote auf der Ur-Idee von oneview 1.0 (war online in 16 Sprachen...) Selbstredend haben wir mit dem neuen oneview auf diesem Service aufgesetzt und aus online bookmarking social bookmarking gemacht. Hier wollen wir aber nicht bleiben. Für uns ist es wichtig, das sich Menschen auf oneview "mit" und "über "informationen" verbinden können. Hier können in Zukunft die Menschen gefunden werden, die wirklich hochwertige Informationen bieten können und auch möchten. In diese Richtung entwickeln wir.
Oliver Gassner: Mir kommt halt eine Bookmarksammlung als seltsame Art vor ein expertennetzwerk zu starten, und an sich machst du damit doch dooyoo Konkurrenz. ist es Zeit seine eigenen 1.0-Sachen zu kannibalisieren?
Marcus Rudert: Oh Gott, nein ;o) So eine Frage darfst Du mir nicht stellen. Spass beiseite. oneview ist absolut keine Konkurrenz zu dooyoo. Bei uns geht es um das Speichern + Verwalten + Teilen von elektronischen Inhalten aller Art. Das, was man gefunden hat und behalten möchte. Heißt, aktuell können Webseiten schon kopiert und zu einem persönlichen elektronischen Archiv (Bücherschrank) zusammengestellt und damit dauerhaft gesammelt werden. Da zu gibt es persönliche Informationen + Tipps (Kommentare), in Kürze auch Foren-Beiträge (Treffpunkte) etc. Du darfst gespannt sein ;o) Oneview ist eine Bereicherung für Angebote wie dooyoo, sowie für jedwedige Webseite, weil Menschen die Fundstellen (z.B. Produkte + Meinungen) von dooyoo in oneview persönlich abspeichern, mit eigenen Worten ablegen, und anderen empfehlen können. Social Search aus Sicht eines Experten-Netzwerkes ist eine riesige Plattform für virales Individiual-Marketing und damit niemals eine Konkurrenz, sondern immer eine Bereicherung, quasi SEO in Perfektion.
Oliver Gassner: Warum kommt der Umbau auf 'social' so spät? Wen musstet ihr überzeugen?
Marcus Rudert: Business takes time... Fakt ist, das oneview seit Anfang 2002 im Dornröschen-Schlaf war. Das bekannte damalige Marktumfeld und das traurige Ableben von Felix Hildebrand, einem der Gründer und vor allem Visionäre von oneview, waren der Grund. Anfang 2005 kamen Rene Kaute und ich ins Gespräch mit Axel Schmiegelow und wir beschlossen das Potential (User+ Link Volumen über 7 Mio. und fast 250.000 Usern), die Visionen, Ideen und Konzepte zu überabeiten und dem heutigen Marktumfeld anzupassen und für Morgen zu entwickeln. Da die gesamte Applikation neu entwickelt und alle Alt-Daten migriert werden mussten, hat dies enorme Zeit-Ressourcen gefressen. Wir sind jetzt aber guter Dinge schneller entwickeln zu können und den Usern zu zeigen, wohin die Reise mit oneview hingeht.
Oliver Gassner: Aus meiner Sicht war das Netz (auch vor dem WWW) immer schon 'sozial'. Wenn du 95 schon ne Agentur hattest, dürftest du auch noch die weblosen Zeiten davor erlebt haben. Warum haben die Gelderverdiener im Netz so lange gebraucht um das zu verstehen?
Marcus Rudert: Die Ur-Idee des Web ist bzw. war social. Damals haben sich wirkliche Experten gefunden und ausgetauscht. Warum damals nicht und warum nun heute kommerziele Interessen Aufleben... die Antwort ist klar... Die kritische Masse an Usern ist überschritten, das Netz lebt!
Oliver Gassner: War die 1.0-Version von Oneview profitabel? Woher kam das Geld?
Marcus Rudert: Ja und Nein. Das öffentliche oneview 1.0 war nicht profitabel, der ASP Bereich sehr wohl. Das lag aber an der Zeit. Zur Zeiten der Blase waren überhaupt nicht genug User im Netz. Im Jahr 2000 bereinigt vieleicht 7 - 8 Millionen. Ein Witz. Das ist heute völlig anders. Das Netz ist zur Informationsbeschaffung ein Teil unseres Lebens geworden.
Oliver Gassner: Auch bei 1.0 stand/steht ja was von Communities. Wie war deren Rolle beim Aufbau von Version 2.0?
Marcus Rudert: Diese haben wir übernommen. Damals konnten Ordner mit anderen geteilt werden. Entweder privat oder öffentlich. Man stand auch über diese Ordner mit anderen "Experten" in Kontakt. Wir haben dieses Prinzip nun weiterentwickelt, ein Berechtigungssystem integriert. es gibt Gäste die dürfen nur "sehen", es gibt Mitglieder die können "aufbauen". Zu dem sind unsere Netzwerke (Neu: Treffpunkte) nur Orte wo sich Informationen und Menschen treffen. Keine Ablage-Orte. D.H. Alle Informationen verbleiben nur solange in einem Treffpunkt, wie der "Ur-heber" diese als wertvoll erachtet. Löscht er sie, geht die Information auch in allen Treffpunkten verloren, wenn andere diese nicht ebenfalls gespeichert haben. Dies ist einer von vielen Filtern die wir zu unserer Algorithmus-Entwicklung für die zukünftige "Find-Maschine" nutzen.
Oliver Gassner: Was ich meine ist: Habt ihr mit den Nutzern geredet? Sie zu den neuen Features befragt? Oder halt gebaut?
Marcus Rudert: Natürlich. Viele User lieben aber noch Ihre Ordner und Verzeichnisse. Genau hier liegt unsere Herausforderung, zum einem muss das "gewohnte" erhalten bleiben, zum anderen muss das "neue + nützliche" kommuniziert werden. Nicht jeder User war nach dem Launch begeistert, ich denke aber und das zeigt das Leben, an neues muss man sich immer erst gewöhnen. Fakt ist, das die User, die unseren Prototypen intensiv genutzt haben, begeistert sind. Oneview begeistert derzeit offengestanden erst auf den zweiten Blick und man muss es nutzen wollen.
Oliver Gassner: Expertennetzwerke sind ja auch nicht grade dünn gesät und alle 2.0-Dienste sind gerade im Aufbau, da muss man den Nutzern schon richtig was Einzigartiges bieten. Was wäre das in einem Satz? (Länger hört ja eh keiner zu ; ) )
Marcus Rudert: Spass, Kommunikation, Information, Qualität
Oliver Gassner: Von Mr. Wong redet ja alles, von Taggling wenige, von Oneview keiner. Was macht ihr da falsch?
Marcus Rudert: Gar nichts! Oneview ist nicht wie die anderen Angebote aktuell offen, sondern befindet sich im Prototypen-Stadium hinter einer Vorschaltseite. Das ändert sich in kürze und dann darfst Du mir die Frage noch mal stellen. Außerdem, mir persönlich gefällt Mr. Wong, aber wir entwickeln uns in eine andere Richtung. Darum sehe ich Mr. Wong auch nicht wirklich als Mitbewerber. Taggle und Co., schön das es sie gibt, doch ihr Fokus ist ein anderer.
Oliver Gassner: Wie müsste denn (bzw. wie wird) Online-Marketing für Oneview aussehen?
Marcus Rudert: ;o) ... auf jeden Fall "viral"... ;o)))
Oliver Gassner: Mit Blogs und so?
Marcus Rudert: Hier ist Vorsicht geboten. Wenn Blogger eine positive Erfahrung mit oneview gemacht haben, dann freuen wir uns über Beiträge. Auch kritische sind willkommen. Wir werden aber in keinem Fall "Blog-Spam" betreiben. Ich bzw. wir glauben an die Macht eines vor allem nützlichen Produktes...
Oliver Gassner: Der letzte oneview-Blog-Eintrag ist von Ende Juli. War im Sommer bei euch tote Hose? Offenbar war auch sonst mehr als einmal alle ein, zwei Wochen bloggen nicht drin?
Marcus Rudert: Ehrliche Antwort: Wir waren "frustriert". Unser Entwicklungszyklus "hakte" und wir konnten einfach nichts mehr kommunizieren. Das war die "Turtle-Taktik". Aber lieber eine Zeit lang schweigen, als etwas kommunizieren, was nicht existent ist...
Oliver Gassner: Man hätte ja eben die Leute fragen können, was sie gern in so nem neuen Produkt drin hätten. Blogs sind ja nicht nur für Verlautbarungen ; ) Das ist schrecklich 1.0 : )
Oliver Gassner: Ich häng grad an dem Blogthema fest: Als du oben skizziert hat, wozu Leute Oneview benutzen sollen, dachte ich: Ah, ja, das mach ich mit meinem Blog. Und Battleout, das Produkt deinen Interviewvorgängers war auch eine Art 'Ersatzprodukt für die, denen Bloggen zu komplex ist', ist das die neue Marktlücke und Zielgruppe?
Marcus Rudert: Eine gute Frage, über die ich mir bereits viele Gedanken gemacht habe. Bloggen scheint für viele User eine Herausforderung zu sein. Zum einen sprachlich, zum anderen kommunikativer, journalistischer Art. Ich glaube an die Zukunft von Blogs, denke aber, das es nicht die breite Masse tun wird. Der Faktor Zeit spielt hier sicherlich auch eine grosse Rolle. Angebote wie oneview, dooyoo, battleout, qype, Foren usw. sind irgendwie eine Art von Quick-Blogs. Ich kann schnell meine Meinung kundtun und diese ist dauerhaft meiner Person zuordbar (Profil). Die Qualität der Meinungen ist aber sehr heterogen, erst die Gesamtheit aller dieser Quick-Statements zu einem Thema macht die Qualität. In einem Blog muss, damit man ihn ernstnehmen kann, schon ab der ersten Veröffentlichung eine gewisse Qualität inhaltlich wie sprachlich gegeben sein. Letztendlich denke ich, das die schnelle und einfache Konsumierbarkeit der massigen Inhalte das entscheidende Kriterium ist und sein wird. Damit meine ich, das es egal ist wie und wo die Inhalte produziert wurden, wichtig ist, das ich ein Aggregat, eine Zusammenfassung bekomme. Denn was nützt mir die Vielzahl der subjektiven Meinungen, ob kurz oder lang, Blog oder nicht, wenn es so viele sind, das ich gar nicht mehr weiss wo ich anfangen soll oder was ich glauben soll. Hier liegt eine grosse Herausforderung an Suchmaschinen, eine Art redaktionelle künstliche Intelligenz ist von Nöten ;o)

Oliver Gassner: Comprende. -;-) Mal zur Perspektive: Ich frag mich halt immer, ob die Leute mittelfristig nicht zu großen Anbietern wie Google oder Yahoo gehen werden, die sich auf dem Markt einfach die besten der 2.0-Anwendungen zusammenkaufen.
Marcus Rudert: Diese Frage stellt sich wohl jedes Start-Up. Wenn ein Team keinen Mut hat und nicht von seiner Idee überzeugt wäre, gebe es keine Innovation, in keinem Bereich. Und aus einem "Produkt in der Nische" kann durch "unbekannte" Mechanismen etwas ganz großes werden.
Oliver Gassner: Wie soll Oneview in 2 oder 5 Jahren aussehen? Verkauft und integriert bei irgendwem? Oder groß wie Google?
Marcus Rudert: Groß wie Google! Größer!
Oliver Gassner: Darauf gibt es zwei Antworten.
Oliver Gassner: a) Wo zeichne ich Anteile?
Oliver Gassner: b) Wir sprechen uns wieder : )
Marcus Rudert: Man muss nach den Sternen greifen um den Himmel zu erreichen ;o)
Oliver Gassner: Auf welchen Web 2.0-igen Events wird man Oneview-Vertreter demnächst ausquetschen können? Und wo sind eure VC-Jagdgründe?
Marcus Rudert: Nach Möglichkeit und Kapazität überall. Fokus liegt aber derzeit darauf eine gute Beta zu launchen. Mit VCs sprechen wir natürlich, auch im internationalen Umfeld. Sobald das operative Business gesichert ist, sind wir omnipräsent ;o)
Übrigens - zur Google-Bemerkung: Ich halte nichts davon zuviel "Hype" zumachen ohne das Erfolge und Versprechungen zeitgleich sichtbar sind. Ich denke hier haben wir eine Menge aus Web 1.0 gelernt. Etwas konservativer und ehrlicher, das ist der richtige Weg, denn Web 2.0 sind die User und nicht die Technologie und die verzeihen nichts.
Oliver Gassner: Das ist doch n schönes Schlusswort, ich danke für deine Zeit und viel Spaß beim Wachsen in Googlegröße.
Marcus Rudert: : ;o) - cu und vielen Dank!!!

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Nun ja, im Impressum der Readersedition dürften Sie da fündig werden, nicht? [oliverg]

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Mich auch ;) ... [oliver gassner]

Du verwechselst mich mit Oliver Samwer ;) ... [oliverg]

Mich würde mal interessieren wie das mit der Vermarktung mittlerweile geklappt hat. [tatti]

Yep, wie bei manchen davon. Bzw. Modelle, die erwünschtes Verhalten auf Benefitanteile abbilden. Ich... [oliver gassner]

@ Nun ja, dass local das next big thing ist, das wusste man seit dem Crash ;) ... [Gleb Tritus]

Nun ja, dass local das next big thing ist, das wusste man seit dem Crash ;) ... [Oliver G]