![]() ![]()
![]() Stephan Uhrenbacher; qype: Orte, Empfehlungen und Kontakteum 11:07 | Montag, 30.10.2006
| Thema: Interview
Oliver Gassner: Hallo, Stephan!Stephan Uhrenbacher: Hallo nach - ähem, wo bist Du eigentlich? Oliver Gassner: Bei Stuttgart. Ich hab glatt schon ein paar Kneipen aus unserem Kaff in Qype gestellt. Vaihingen an der Enz. Seeeeehr beschaulich. Stephan Uhrenbacher: Ich komme aus Inzigkofen bei Sigmaringen zwischen Stuttgart und Bodensee. Garantiert noch viieeel beschaulicher. Oliver Gassner: Oh ja, Oberschwaben. Sehr gefährliches Pflaster. Ich bin ja eigentlich vom Bodensee. Da geht ja kaum einer weg, freiwillig. In Singen zur Schule, in Konstanz studiert. Und jetzt hier als Badener im schwäbischen Exil. Stephan Uhrenbacher: Ich bin sehr gerne in Hamburg. Freiwillig :) Oliver Gassner: Apropos Hamburg - woher du kommst, wissen wir jetzt aber sonst? Würdest du Dich unseren Lesern bitte vorstellen, beschreiben, was deine Aufgabe bei Qype ist und erzählen, was du davor gemacht hast? Stephan Uhrenbacher: Wenn ich das alles beschreibe, dann ist Deine Seite voll. Ahem. Stephan Uhrenbacher, aktuell Gründer und GF von Qype. Mache Web seit 97. Wirtschaftsingenieur, 94 Einstieg bei Gruner + Jahr, Geo.de aufgebaut, Travelchannel.de gegründet, dann nach London zu lastminute.com, dort für "Nordeuropa" zuständig, danach bild.de, verantwortlich für die Website... Danach bei DocMorris als COO dafür verantwortlich gewesen, dass mehr Pakete schneller das Haus verlassen... und dann irgendwann Qype. Oliver Gassner: Geht es den Bubble 1.0 Firmen noch gut, bei denen du involviert warst, oder gab es da Totalverluste? Stephan Uhrenbacher: Nö, weder total- noch sonstige Verluste. Travelchannel wurde leider aber immerhin für ordentliches Geld verkauft, lastminute.com war eine Riesengeschichte, DocMorris hat sich sensationell entwickelt. Nur von Bild.de hat man nie wieder was gehört ;) Oliver Gassner: Ja, da gibt es ja ganz eigene Trauerblogs für Bild.de, traurige Sache. (Ich tät ja auch lieber trendige Schuhe verkaufen, als ...) -- Was haben diejenigen unter den Dotcom-Firmen falsch gemacht, die die Blase nicht überstanden haben? Stephan Uhrenbacher: Das ist doch schon hundertmal durchgekaut worden. Bei den damaligen Verlierern ist alles dabei von "bescheuertes Geschäftsmodell", "Alles für in den Ferrari investiert" bis zu "einfach Pech gehabt" weil es für die Finanziers zu einer bestimmten Zeit profitabler war, die Firma dicht zu machen, als sie durchzufüttern (Stichwort KfW Refinanzierung). Bei den Gewinnern gibt es alles von "Glück gehabt", über "rechtzeitig verkauft" bis zu "langer Atem". Vor den letzten habe ich persönlich am meisten Respekt. Oliver Gassner: Das heißt man macht es richtig wenn man kein fremdes Geld nimmt und nicht zu schnell verscherbelt? Stephan Uhrenbacher: Das ist der konservative Ansatz, der mir persönlich mehr imponiert. Der lukrativere ist: Etwas fremdes Geld rein, aufpumpen und ganz ganz ganz schnell verkaufen. Flößt mir auch Respekt ein, aber ist kein Modell für uns. Oliver Gassner: Zur Zukunft kommen wir noch. Jetzt- Zur Gegenwart: Was genau ist Qype? Klingt ja eher wie ne Kosmetik oder wie ein Klingeltonanbieter. Stephan Uhrenbacher: Qype ist eine Mischung aus lokalem Stadtmagazin "von unten" und lokalem Verzeichnis von allem was gut ist. Ausschließlich von den Nutzern zusammengestellt. Oliver Gassner: Qype bedeutet nicht irgendwas, oder? In irgend nem afrikanischen Dialekt oder so? Wie bei Ubuntu? Stephan Uhrenbacher: Der Name kam von "Quality or Hype?". Oliver Gassner: Hübsch. Stephan Uhrenbacher: Ich habe mich früher mal lange mit Prozessen zu Namen (lastminute.com // ltur) rumgeschlagen und mit Domains, die man in bestimmten Ländern nicht bekommt. Stephan Uhrenbacher: Deshalb haben wir diesmal darauf geachtet, dass er definitiv nix bedeutet, allerdings gibt es einige Fundstellen in Google, ich denke irgendwo in Armenien oder so. Oliver Gassner: Wahrscheinlich Vertipper. Ich will es ja immer mit u schreiben. -- Also kurz gesagt: Leute loben oder lästern über ihre Erfahrungen in Geschäften, ja? Stephan Uhrenbacher: Oder sie beschreiben den besten Sonnenuntergang, wo es Fabrikverkauf gibt, in welchem Hotel sie wen getroffen haben. Welche Restaurants für Vegetarier geeignet sind, Wo man an die Ostsee hingeht, was man mit Kindern in Hamburg unternehmen kann, wer schon im TamTai war.. Oliver Gassner: Was macht ihr bei Qype richtig was in der letzten Wachstumsphase des Netzes falsch gemacht wurde? Stephan Uhrenbacher: Wir haben uns über VCs etwas Luft verschafft, aber nicht so, dass wir jetzt von irgendjemandem zu Fernsehwerbung gezwungen werden können. Wir vertrauen eher auf Entwicklung als auf Branding. Es gibt zig potentielle Wettbewerber, die alle Reichweite ohne Ende haben. Also konzentrieren wir uns darauf, das Produkt Qype so gut zu machen, dass es nicht ohne riesen Aufwand repliziert werden kann.... Oliver Gassner: Wie du sagst: Nun sind ja Bewertungsdienste nicht neu und oft in andere Dienste integriert - wie z.B. Restaurantverzeichnisse. Warum sollte ich zu Qype kommen? Stephan Uhrenbacher: Warum Du zu Qype kommen sollst? Weil Du hier sehen kannst, WER etwas gut oder schlecht findet. Oliver Gassner: Kann ich das bei - beispielsweise - ciao.com nicht? Stephan Uhrenbacher: Bei uns kannst Du sehen, was derjenige für ein Typ ist, durch die Tags die er oder sie sonst noch vergibt, kannst Dich mir ihr in Verbindung setzen usw. Wir sehen den Nukleus eines Sozialen Netzwerkes, wenngleich der noch nicht fertig ist. Demgegenüber ist ciao.com eher eine Marktforschungsplattform, glaube ich. Oliver Gassner: Habt ihr mal den Fußgängerzonentest gemacht, ob die Leute wissen, was Tags sind? Stephan Uhrenbacher: Nö, eines unserer größten Themen. Diejenigen, die sie verstehen und nach "restaurant + nichtraucher" suchen oder "paul-war-da" lieben sie, der Mensch auf der Strasse versteht sie im Regelfall noch nicht. Aber das kommt ja. Oliver Gassner: Wäre da ein Wort wie 'Stichwort' oder 'Etikett' nicht besser? Oder ist Denglisch besser? Stephan Uhrenbacher: Auf unserer Homepage steht "stichwort". Aber leider ist Stichwort sehr eingeschränkt im Funktionsumfang. Oliver Gassner: Also ich lese grade auf meiner Profilseite: 'meistvergebene tags' (in Kleinschreib!) -- Da du grade Marktforschung sagst: Wenn ich da alles über meine Vorlieben erzähle bin ich ja - allein über meine Tagwolke - ganz anders profilierbar. Wer kriegt da Zugang zu meinem Profil? Stephan Uhrenbacher: Wie gesagt, auf der Homepage. Auf Deiner Profilseite haben wir noch nicht eingedeutscht. [Anm. OG: Das ist wohl inzwischen passiert ;) ] - Zum Thema Profil: Du hast in der Hand, ob Du anonym oder mit richtigem Namen auf Qype erscheinst. Und bei mir kann tatsächlich jeder lesen, wofür ich mich so interessiere. Wir geben jedenfalls keine Daten weiter, weder wegen Marktforschung, noch sonst irgendwie. Oliver Gassner: Wie verdient Ihr eigentlich damit Geld? Stephan Uhrenbacher: Ganz klassisch und hochoffiziell: Über Werbung. Im Moment zwar "nur" über Google Ads, zukünftig werden wir Unternehmen auch hervorgehobene Darstellung anbieten. Google funktioniert schon gar nicht schlecht, weil unsere Reichweite sich hervorragend entwickelt... Aber profitabel seid ihr so noch nicht, oder? Stephan Uhrenbacher: Nein, so schnell kann das ja auch nicht gehen. Aber es zieht ganz nett an. Oliver Gassner: An sich ist ja das Texten solcher Sachen auch ein Job; ist daran gedacht die Schreibenden mehr als nur ideell zu vergüten? Stephan Uhrenbacher: Die Diskussion wurde ja schon früher geführt, aber es hat noch keiner den Stein des Weisen gefunden. Wenn wir nach potentiellem Umsatz bezahlen würden, wären das einige Cent pro Beitrag dann wären die Super Schreiber auch nicht richtig entlohnt, außerdem würden dann nur noch Beiträge zu Hotels und Krankenversicherungen entstehen... Viele der besten und lustigsten Beiträge haben ja gar keinen kommerziellen Wert. Suche mal nach "pinkelecke" oder "sonnenuntergang" auf Qype. Oliver Gassner: Und wie stellt ihr sicher, dass die Leute immer wieder kommen und Beiträge schreiben? "Stickyness" (Klebrigkeit, igitt.) nennt das glaub ich der Bullshit-Bingo-Fachmann. Stephan Uhrenbacher: Mal schauen: Jeder hat ja unterschiedliche Motivationen. Warum bloggst Du? Weil Du gerne gelesen wirst, denke ich. Im Moment sind wir für diejenigen attraktiv, die etwas zu sagen haben, deren Meinung auf einem eigenen Blog aber völlig untergehen würde. Wir hoffen, dass wir in Zukunft auch für diejenigen attraktiv sein können, die über Qype andere mit ähnlichen (insbesondere ähnlich speziellen) Interessen kennen lernen können. Das kostenlos, würde unsere Zielgruppe doch sehr erweitern. Oliver Gassner: Oh, ich blogge für Geld und als Eigenwerbung. ;) -- Gesetzt der Fall ich hab ne Kneipe oder bin Zahnarzt, wie verhindert Ihr, dass meine Konkurrenz da Mist über mich reinstellt? Stephan Uhrenbacher: Bei echtem Mist kümmern wir uns individuell drum. Das kommt ja sehr schnell hoch. Ist aber insgesamt von der Fallzahl her vernachlässigbar. Die User regeln da viel untereinander. Oliver Gassner: Gab es schon juristische Probleme für Euch oder einen der Schreiber? Stephan Uhrenbacher: Es gab zweimal einen Fall, in dem ein Schreiber nachvollziehbar eine negative Meinung hatte und er dann direkt von dem Unternehmen über Qype angesprochen wurde, er möge das lassen, da sonst rechtliche Schritte drohten. Wir stellen uns da auf die Seite des Schreibers: So lange er seine Meinung äußert, nicht diffamiert und das ganze subjektiv oder sogar noch nachprüfbar ist, hat er nichts zu befürchten. In einem Fall haben wir rechtliche Unterstützung für den Schreiber zugesichert, aber es ist dann bei der Drohung geblieben. Oliver Gassner: Weißt du wer Christiane Link ist? Stephan Uhrenbacher: Sicher. Das ist eine unserer Power-Userinnen. Oliver Gassner: Setzt Du Dich mit solchen Power-Usern auch mal zusammen? Oder kriegt ihr auch so mit, wo es bei Qype vielleicht auch mal hapert? Stephan Uhrenbacher: Klar, Christiane habe ich mehrfach getroffen, einmal auch konkret in ihrer Eigenschaft als Power-Userin. Grundsätzlich versuchen wir, mit unseren Power-Usern engen Kontakt zu halten, das ist der Hauptjob von Anne bei uns (reagiert auf "Feedbacks") und Ute. Christiane ist ein Glücksfall für Qype, weil sie auch noch in Hamburg wohnt. Oliver Gassner: Vorhin hast du es zweimal angedeutet und als wir uns in Offenbach sahen hattet du ein sehr schönes Quadrat angemalt, das diverse Beziehungen darstellt und hast erwähnt, dass bei Qype auch die Beziehung unter den Nutzern noch gestärkt werden könnte. So nach dem Motto: "Wer in meine Lieblingskneipe geht, die/die könnte auch ein Liebling werden." Macht Ihr dann den Datingportalen Konkurrenz? Stephan Uhrenbacher: Es war von Anfang an so, dass wir Qype bewusst "für Menschen mit einem richtigen Leben" gebaut haben, und das wurde dann sehr stark aufgenommen. Bei Qype kannst Du sehen, wer sonst noch in Deine Lieblingskneipe geht. Aber wir sehen uns nicht als Dating-Portal, eher als "Soft-Dating-Portal". Ich kann hier Leute kennen lernen, mit ähnlichen Interessen. Oliver Gassner: Ihr habt ja grade etwas Blogschlagzeilen gemacht durch eure Blog-Widgets und Euer Werbeplakat in "Second Life, ist es denkbar, dass man auch SL-Orte bald qypen kann? Stephan Uhrenbacher: Ja, das ist denkbar. Oliver Gassner: Welche Rolle spielen überhaupt Blogs (auch eure eigenes) für Qype? Was würdest du Web-Firmen hier raten? Oder anderen? Stephan Uhrenbacher: Ich bin mir da selber nicht so sicher. welche Rolle unser eigenes Blog insgesamt spielt. Es eignet sich jedenfalls wunderbar als Kommunikationsmedium zu den eigenen Fans und zu den eigenen Wettbewerbern. Der wichtigste Tipp ist: einfach anzufangen. Man bekommt recht schnell ein Gefühl dafür, was die Nutzer interessiert. Oliver Gassner: Und wer kauft euch irgendwann? Baedecker oder Michelin? Stephan Uhrenbacher: Ist im Moment kein Thema. Durch die letzte Finanzierungsrunde ist es uns ja gelungen, eine Mehrheitsbeteiligung eines Verlages abzuwenden. Und da wir keine Videos hosten, können wir uns darauf konzentrieren, den beste "Local Guide für Deutschland" (das sind wir heute schon) weiter auszubauen. Oliver Gassner: Was wird sich in nächster Zeit bei Qype tun - außer eventuell der SL-Geschichte-, kannst du da schon was verraten? Stephan Uhrenbacher: Ich mache ungern Ankündigungen. Wir haben in letzter Zeit eine hervorragende Umkreissuche eingeführt und ein Tool entwickelt, mit dem jeder die Qype-Beiträge aus seiner Gegend oder auch seine eigenen auf die eigene Website bringen kann. Das nächste größere Feature ist in Arbeit, aber noch nicht ankündbar. Oliver Gassner: Zeit für ein Schlusswort, was ist noch zu sagen über die Zukunft von Empfehlungsdiensten im Allgemeinen und Qype im Besonderen? Stephan Uhrenbacher: Durch die soziale Vernetzung werden wir alle in Zukunft uns in der realen Welt viel besser orientieren, weil wir die Empfehlungen unserer Freunde und deren Freunde nutzen können. Wenn ich heute wieder nach Aachen ziehen müsste, wie vor drei Jahren, dann hätte ich ein Netzwerk von zig Leuten und mehreren hundert Empfehlungen was ich in der Stadt anfangen kann: vom Restaurant, über die Sauna bis zum Gitarrenunterricht. Das war vor Qype nicht möglich. Oliver Gassner: Danke für das Gespräch und für Deine Zeit , du bist ja offenbar grade schwer zu 'kriegen' ;) Stephan Uhrenbacher: Aber gerne. KommentareNoch keine Kommentare vorhanden. Kommentieren? Dein Kommentar
|
![]() Even if he hate to disappoint... Oliver Schwartz: Communicating ComBOTS [vm 18.9.2007] Björn Behrendt (hiogi.de): Mobile Antworten Dominik Matyka, youmix.de: Von der Location bis zum Musikkauf und zum Event-Ticket David und Andreas von youop.de: Fertigpizzas und ihre Verknüpfung mit dem besten Biergarten Münchens Stephanie Staar (netmoms.de): Mütter im lokal und im Netz Ossi Urchs: Über Angst und Neophilie, die Rettung der Welt und die nächsten fünf Jahre im Netz
![]() Nun ja, im Impressum der Readersedition dürften Sie da fündig werden, nicht? [oliverg] Bitte um e-mail und Tel Nr.von Dr. Maier ... [Witzeling Franz] Mich auch ;) ... [oliver gassner] Du verwechselst mich mit Oliver Samwer ;) ... [oliverg] Mich würde mal interessieren wie das mit der Vermarktung mittlerweile geklappt hat. [tatti] Yep, wie bei manchen davon. Bzw. Modelle, die erwünschtes Verhalten auf Benefitanteile abbilden. Ich... [oliver gassner] @ Nun ja, dass local das next big thing ist, das wusste man seit dem Crash ;) ... [Gleb Tritus] Nun ja, dass local das next big thing ist, das wusste man seit dem Crash ;) ... [Oliver G]
|