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![]() Michael Pütz (dawanda.com): Europa ist eine andere Weltum 15:38 | Montag, 11.12.2006
| Thema: Interview
Oliver Gassner: Hallo, Michael.Michael Pütz: Hallo Oliver Oliver Gassner: Könntest Du Dich unseren Leserinnen und Lesern bitte vorstellen? Also: woher Du kommst (lokal und fachlich), was Du vor Dawanda gemacht hast und was bei Dawanda.com Dein Job ist. Michael Pütz: Ja gerne. Mein Name ist Michael Pütz komme (lokal) aus der Gegend um Köln fachlich beschäftige ich mich seit Ende der 90er mit Internet. Mein erstes großes Projekt war 2001 Passado.de eine Community für ehemalige Klassenkameraden. Passado hat mittlerweile 5 Mio. Mitglieder in Europa. Michael Pütz: Nach Passado kam dann DaWanda. Ich habe zusammen mit Claudia Helming DaWanda gegründet und als Gründer bin ich mit für alles verantwortlich - hauptsächlich betreue ich aber die technischen Dinge. Oliver Gassner: Technik: Das trifft sich gut, dazu habe ich später noch die eine oder andere Frage ;-). Von Passado habe ich noch nie gehört, glaube ich. Woher kommt das? (Ich bin aber auch nicht bei Stayfriends. ;) ) Michael Pütz: Passado war eine gemeinsame Idee von mir und einem guten Freund noch zu Schulzeiten. In Köln gestartet hat es dann schnell den Weg nach Europa gefunden. Michael Pütz: Aber zu Deiner Verteidigung: Passado genießt in Spanien mehr Bekanntheit als in Deutschland. Oliver Gassner: OK ich hab grad geschaut, aus meinem Jahrgang sind an meiner Schule grad zwei Leute da ;) Michael Pütz: Ja gerne. DaWanda ist ein Marktplatz für Unikate und Handgefertigtes. Wir bieten Designern, Künstlern und Kunsthandwerkern die Möglichkeit, sich und ihre Produkte zu präsentieren und die Produkte zu verkaufen. Auf der anderen Seite bieten wir Menschen die auf der Suche sind nach individuellen Produkten und nach dem Besonderen und Einmaligen eine zentrale Anlaufstelle. Michael Pütz: Was wir noch vorhaben? Viel, denn die Möglichkeiten sind wie die Kreativität der Mitglieder und Produkte nahezu unbegrenzt. Oliver Gassner: Geht das zu Festpreisen oder sind da Versteiegrungselemente involviert? Michael Pütz: Derzeit geht es alles per Festpreis. Oliver Gassner: Wieso eigentlich Dawanda? Michael Pütz: Eine lange Geschichte - aber ich versuche sie mal kurz zusammenzufassen: Michael Pütz: Einen passenden Namen zu finden, ist ja nie einfach und unsere Kriterien waren auch nicht die anspruchslosesten. Da wir DaWanda ja nicht nur in Deutschland unters Volk bringen wollen, sollte man in möglichst allen europäischen Ländern den Namen aussprechen können und dazu noch richtig schreiben. Michael Pütz: Es dauerte also eine Weile und als Claudia und ich dann einen Namen brauchten, half dann nur noch ein Besuch in einer großen Buchhandlung, der Kauf eines Buches mit 200.000 Babynamen und ein wenig Zeit zum Stöbern. Michael Pütz: Letztendlich haben wir uns dann für DaWanda entschieden. Es ist also ein afrikanischer Name, der durchweg nur mit positiven Dingen dort assoziiert wird. Oliver Gassner: Zum Beispiel? Michael Pütz: Es steht für das Schöne und Einzigartige, genau wie DaWanda, die Menschen und die Produkte darauf. Oliver Gassner: Sehr hübsch. Michael Pütz: Danke :) Oliver Gassner: Wie viele Leute arbeiten an Dawanda? Nur ihr beide? Michael Pütz: Wir sind ein kleines aber hochmotiviertes Team bei DaWanda und derzeit sind wir 3 feste DaWandas und haben noch 3 freie und eifrige Helfer im Hintergrund. Michael Pütz: Und wir haben noch die Hilfe unserer Community! Oliver Gassner: Habt ihr eine Finanzierung? Oder braucht ihr gar keine? Michael Pütz: Wir finanzieren DaWanda derzeit aus eigenen Mitteln. Das Thema Social Commerce ist aber durchaus auch ein Thema, für das sich Geldgeber interessieren und dadurch sind wir auch in dem einen oder anderen Gespräch. Oliver Gassner: Nun sieht ja Dawanda Etsy.com sehr ähnlich und hat auch dasselbe Konzept; wie siehst du das? Michael Pütz: Als Claudia und ich vor ein bisschen mehr als einem Jahr in Moskau saßen und uns verschiedene Seiten angesehen haben sind wir auf Etsy gestoßen und die Begeisterung war direkt da! Etsy war zu dem Zeitpunkt noch recht klein, aber traf genau das, was wir auch machen wollten. Es geht bei uns wie bei Etsy um das gleiche Prinzip: Ein Marktplatz für Unikate und Handgefertigtes. Oliver Gassner: Was passiert mit Euch, wenn Etsy auf den deutschen Markt kommt? Michael Pütz: Oder andersrum gefragt: was passiert wenn Etsy auf unseren deutschen Markt kommt? ;) Etsy hat erst mal noch eine Menge zu tun, wenn sie hier erfolgreich starten wollen. Aber Wettbewerb ist ja auch spannend, oder? Michael Pütz: Wir haben aber das Etsy-Prinzip nicht einfach kopiert - was auch nicht klappen würde - sondern die Anforderungen und die speziellen Eigenheiten des europäischen Marktes und der Mentalität berücksichtigt. Oliver Gassner: Die wären? Michael Pütz: Europa ist eine andere Welt. Die Menschen haben eine andere Mentalität und legen auf andere Dinge Wert. Das mussten wir schon bei Passado lernen, dass ein Konzept ganz anders wahrgenommen wird und die Menschen ganz anders reagieren selbst in den unterschiedlichen europäischen Ländern. Oliver Gassner: Hättest du da mal ein Beispiel? Michael Pütz: Um ein konkretes Beispiel zu nennen - rede mal mit einem Amerikaner und einem Deutschen über das Thema Handarbeit. Du wirst ganz unterschiedliche Reaktionen bekommen. Hier wird oft noch Omas Strickware damit assoziiert, während in Amerika auch die jungen Leute Zugang zu dem Thema und Spaß daran entdecken. - Um aber noch ein anderes Beispiel zu nennen: Wir haben in Europa viele verschiedene Sprachen und darauf sind wir von Anfang an vorbereitet. Ein (nicht nur technisch) gravierender Unterschied. Oliver Gassner: Und wie verkauft man das dann in D? Indem man es 'Handmade Design' nennt? Michael Pütz: Man verkauft es, indem man zeigt, dass es tolle Produkte gibt - also ist unsere Homepage voller spannender Produkte. Und damit sind wir wieder beim Thema: DaWanda ist Etsy ähnlich. Die Homepage von Etsy ist auch voller Produkte. Das sind dann die Dinge die einfach wichtig und auch nicht anders machbar sind. Also gleichen wir uns da. Oliver Gassner: Und nicht nur da - ihr habt an Etsy ja Features kopiert - wie z.B. die Farbsuche. Aber die coole spiralige History-Ansicht fehlt - und zeigt ja jeder, der Etsy als Beispiel nimmt - uns sei es nur als Beispiel für AJAX-Einsatz. Kommt die noch? Oder ist das unnötige Spielerei? Michael Pütz: Die Farbsuche bei uns läuft anders als bei Etsy. Bei uns werden die Farben manuell festgelegt nicht wie bet Etsy analysiert und automatisch vergeben. Die "Spirale" haben wir nicht - da ist auch eine nette Spielerei und hat Etsy auch wie Du sagst zu viel PR und Resonanz verholfen, aber ist wie Etsy selbst sagt kein großer Motor um Produkte zu verkaufen - aber darum geht es ja in erster Linie. (Die Spirale ist auch Flash, nicht AJAX - aber das nur nebenbei). Michael Pütz: Es wird aber auch bei DaWanda in Zukunft mehr in die Richtung Discovery-Tools kommen. Lass Dich überraschen! Oliver Gassner: Wenn man bei euch auf den roten Farbklecks klickt, kriegt man unter anderem grüne und blaue Handtaschen angeboten. Was läuft da schief? Farbenblinder Eintipper? Michael Pütz: Nein das ist eigentlich ganz toll ;) und liegt ganz oft daran das der Verkäufer bei DaWanda die Möglichkeit hat auch auf die Wünsche des Kunden einzugehen und die Tasche z.B. in der Lieblingsfarbe zu fertigen. So bietet unsere Filz-Expertin "Kata" ihre Produkte fast ausnahmslos in alles möglichen Filz-Farben an. Dazu hat sie auch eine Farbpalette veröffentlicht. Oliver Gassner: Die nächste Frage ist mir fast peinlich (und das passiert nicht oft), ich will nur wissen, ob ich allein bin: Wie oft hattest du eigentlich schon das Problem "ich will jetzt was Blaues kaufen, egal was"? Michael Pütz: Bei mir war es eher grün - aber es geht dabei auch nicht immer nur um die konkrete Farbe. Es geht wie bei alle den Funktionen wie z.B. Tag-Suche um Inspiration und sich einfach treiben lassen durch die Produktwelt. Oliver Gassner: Ah für Surfer mit Zeit und Flatrate. OK. Ich dachte immer, der Trick sei, den Leuten so schnell wie möglich zu geben was sie wollen ;). - Reden wir mal nicht von euch sondern vom '2.0'-Markt allgemein: Seit ich gerade hier für netzstimmen.de 2.0-Projekte ansehe macht sich eine gewisse Ermüdung breit: Noch eine lokale Suche mit Nutzerkommentaren und Tags, noch eine "Geld sparen beim Telefonieren"-Seite, noch ein halbes Dutzend Myspace-Digg-Verschnitte. Wie lange läuft so was noch? Michael Pütz: Das wird noch eine Weile dauern, denke ich. Und das ist auch gar nicht so schlecht, denn jedes neue Projekt hat wieder einen bisschen anderen Ansatz und versucht einige Dinge auf eine spezielle Art zu lösen. Oliver Gassner: Wäre es nicht besser gleich den Koreanern und Amis beim Lokalisieren zu helfen? Das wäre wenigstens ehrliche Arbeit statt dieser Kopiererei a la Samwer (wie gesagt, euch ausgenommen ;) )? Michael Pütz: Ich finde es spannend zu sehen, wie viel gerade entsteht und wie viele Leute wagen, was zu machen. Aber ich kann Deine Müdigkeit auch verstehen. Wenn man sich wie wir damit Tag und Nacht auseinander setzt .. es ist schon ne ganze Menge. Ich denke es ist gut und sehr innovationsfördernd, wenn es mehrere kleinere Anbieter gibt als nur den einen Global-Player. Oliver Gassner: Bei Design-Sites wie Eurer hängt das ja sicher auch an den Features für die Anbieter und eurer Fähigkeit für Laufkundschaft zu sorgen. Wäre ich Designer oder Handarbeiter; wie überzeugst du mich. Im berühmten Fahrstuhl, bitte ;) Michael Pütz: Die trifft man eher auf einem (Handwerker)Markt oder in deren Atelier :) Und Du musst eigentlich nur fragen, ob der Anbieter schon mal über Internetverkauf nachgedacht hat. Die Antwort wird i.d.R. Ja sein und Du wirst auch hören was deren Probleme waren (hoher Aufwand, kaum Resonanz da unbekannt) und wenn Du dann sagst: wir lösen Dir diese Probleme, dann hast Du ihn schon gewonnen. Probiers mal aus ;) Oliver Gassner: Na, ich bin für Sales nicht so begabt (sofern nicht ich das Produkt bin ;) ). Michael Pütz: Also es ist keine große Überzeugungsarbeit zu leisten, da wir wirklich ein Problem der Leute lösen. Und das ist sehr hilfreich bei der Akquise und sehr befriedigend für beide Seiten. Oliver Gassner: Oh das bringt mich auf die Frage: Was kostet die Anbieter der Spaß, bei euch dabei zu sein? Michael Pütz: Er zahlt lediglich eine Verkaufsprovision von 5% wenn er was bei uns verkauft. Es fallen keine monatlichen Kosten an und derzeit auch keine Einstellgebühren. Michael Pütz: Es kostet sie also erst mal nur ein bisschen Zeit die Produkte einzustellen und DaWanda zu testen. Oliver Gassner: Es gibt ja auch Ansätze, wie der von "So Zeug": kein Phantasie-Name, jeder Verkäufer kann dort Bloggen, man kann die Items sogar von Außen-Blogs aus trackbacken - und sie sind von Spreadshirt gekauft worden. Ist das Konkurrenz? Und wenn ja - warum nicht? (Um mal Ephraim Kishon zu zitieren.) Michael Pütz: Nettes Zitat. Wieviele Trackbacks hat denn Sozeug? Unsere Community ist heute schon größer als die von Sozeug und unser Ansatz ist ein anderer. Schau dir mal die Produkte auf Sozeug an und dann die auf DaWanda. Du wirst bei vielen Produkten einen Unterschied feststellen in der Qualität und der Präsentation der Artikel. Es gibt eine Schnittmenge bei Verkäufern und auch Funktionen und doch sind es in unseren Augen 2 verschiedene Konzepte Oliver Gassner: An sich kann das ja der Markt entscheiden; oder? Wann erwartet ihr einen Break Even? Michael Pütz: Genau der Markt wird es zeigen. Wie Du weißt, sind wir ein kleines Team und haben jetzt schon einen aktiven Marktplatz. Da liegt der BreakEven in nicht allzu ferner Zukunft aber ein genaues Datum kann ich Dir verständlicher Weise nicht nennen. Oliver Gassner: Gibt es noch andere Etsy-Nachahmer, pardon, Dawanda-ähnliche-Konzepte in Deutschland? Michael Pütz: Außer SoZeug ist uns kein weiteres Konzept bekannt. Oliver Gassner: Jetzt mal im Ernst: wenn Etsy mit dem Scheckbuch auf der Türschwelle stünde und sagen würde "einmal die Europa-Kompetenz bitte", da würde man sich schon einig, oder? Michael Pütz: Im Ernst: dafür haben wir uns die Mühen das ganze letzte Jahr nicht gemacht. Du hattest doch eben einen anderen Namen genannt von Personen die dieses Copy-and-Sell Prinzip sehr mögen ;) Wir würden uns aber aus den verschiedensten Gründen gerne mal mit den Leuten von Etsy unterhalten. Oliver Gassner: Die wären? Michael Pütz: Ich unterhalte mich mit vielen Gründern auch in Deutschland und ich habe aus jedem Gespräch was gelernt. Und die Leute von Etsy haben was Tolles auf die Beine gestellt. Ich glaube auch die sind ganz nett ;) Oliver Gassner: OK. Heeeey, Eeeeeetsy, Michael here wants to talk to you. As you monitor the Blogosphere you can act now and contact him at Dawanda.com. Mal gucken ob das klappt ;) Michael Pütz: ;) Okay. danke für die Vermittlung. Oliver Gassner: So, du hättest ein Schlusswort; wenn du magst. Michael Pütz: Ich mag alle einmal einladen, sich DaWanda anzusehen. Und ich bin sicher, jeder wird etwas spannendes entdecken. Und Dir möchte ich für das Interview danken und diese außergewöhnliche Form. :) Oliver Gassner: Ja, macht Spaß ;) Leute provozieren ohne, dass sie einem die Kekse wegziehen können. (Ich hatte schon Interviewpartner, die waren beleidigt, weil das Provozieren halt dazu gehört - andere fanden es gut ;) ) - Vielen Dank für das Gespräch. ;) Michael Pütz: Bitte. KommentareNoch keine Kommentare vorhanden. Kommentieren? Dein Kommentar
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![]() Even if he hate to disappoint... Oliver Schwartz: Communicating ComBOTS [vm 18.9.2007] Björn Behrendt (hiogi.de): Mobile Antworten Dominik Matyka, youmix.de: Von der Location bis zum Musikkauf und zum Event-Ticket David und Andreas von youop.de: Fertigpizzas und ihre Verknüpfung mit dem besten Biergarten Münchens Stephanie Staar (netmoms.de): Mütter im lokal und im Netz Ossi Urchs: Über Angst und Neophilie, die Rettung der Welt und die nächsten fünf Jahre im Netz
![]() Nun ja, im Impressum der Readersedition dürften Sie da fündig werden, nicht? [oliverg] Bitte um e-mail und Tel Nr.von Dr. Maier ... [Witzeling Franz] Mich auch ;) ... [oliver gassner] Du verwechselst mich mit Oliver Samwer ;) ... [oliverg] Mich würde mal interessieren wie das mit der Vermarktung mittlerweile geklappt hat. [tatti] Yep, wie bei manchen davon. Bzw. Modelle, die erwünschtes Verhalten auf Benefitanteile abbilden. Ich... [oliver gassner] @ Nun ja, dass local das next big thing ist, das wusste man seit dem Crash ;) ... [Gleb Tritus] Nun ja, dass local das next big thing ist, das wusste man seit dem Crash ;) ... [Oliver G]
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