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![]() Ossi Urchs: Über Angst und Neophilie, die Rettung der Welt und die nächsten fünf Jahre im Netzum 16:54 | Dienstag, 31.07.2007
| Thema: Interview
![]() Oliver Gassner: Hallo Ossi! Ossi Urchs: Hi Oliver Oliver Gassner: Würdest du dich den drei vier Leuten unter unseren Leserinnen und Lesern, die dich nicht kennen, kurz vorstellen? Ossi Urchs: Wie du meinst: Ossi Urchs, vormals TV-Regisseur, nun schon seit Anfang der 90er-Jahre Internet-Berater, hat alle Auf und Abs der Branche mit erlebt und freut sich, dass die Depression wieder einer realistischeren Betrachtung des Internets Platz gemacht hat und mit der Reife der Nutzer und des Mediums langsam auch sein "wahrer Charakter" als INTERAKTIVES Massenmedium sichtbar wird. Oliver Gassner: Dir wird ja häufiger der Beiname 'Internet-Guru' verpasst. Ist das angenehm und braucht das Internet Gurus? Ossi Urchs: Je nun: Guru heißt auf Sanskrit einfach "Lehrer". Wenn ich den Leuten etwas über das Internet beibringen oder näher bringen kann - dann ist der Guru schon OK. Oliver Gassner: Ist das Netz denn so erklärungsbedürftig? Ossi Urchs: Das Netz nicht, die Nutzer schon. So ist das immer bei wirklich neuen Medien: man braucht eine Weile um ihr wirkliches Potential zu verstehen. Oliver Gassner: Das heißt das Netz ist gar nicht so sehr ein technisches Phänomen denn ein soziales? Ossi Urchs: So ist es. Die Technik ist immer nur am Anfang wichtig, später verschwindet sie hinter der Anwendung. Oliver Gassner: Das heißt die Idee, dass man mit dem Netz die Welt retten kann, ist noch nicht ganz durch? "Wahre" Demokratie, Wissen und Wohlstand für alle? Ist das die Netzutopie? Ossi Urchs: Na ja, das hat am Anfang sicher eine gewisse Rolle gespielt, die amerikanischen Wissenschaftler, die am Projekt eines weltweiten Netzes gearbeitet haben, waren sicher stark von der "Grassroots"-Idee beeinflusst. Aber ehrlich gesagt, glaube ich nicht, das eine Tech, welche auch immer, der Heilsbringer in einer Gesellschaft sein kann. Dennoch: das Internet hat nicht nur unsere Art zu arbeiten, sondern unsere ganze Art zu leben und zu lernen, uns zu informieren und zu unterhalten nachhaltig verändert. Oliver Gassner: Das heißt allein dadurch, dass ich die Möglichkeit schaffe, Menschen kommunikativ zu verbinden, passiert nicht automatisch was Gutes? Ossi Urchs: Noch nicht: das Potential, diese Möglichkeiten zu etwas Gutem zu nutzen sind da- und das ist doch auch schon was. Ansonsten ist das Internet immer ein Abbild der Gesellschaft; im Guten wie im Schlechten. Oliver Gassner: Spulen wir nochmal an den Anfang zurück: Wie hast du das Netz entdeckt und wie und wann hast du es 'verstanden'? Ossi Urchs: Entdeckt. in den 80ern in USA. Dort haben Computerartisten damals schon mit Mailing Lists und Newsgroups gearbeitet um sich gegenseitig auf dem Laufenden zu halten und zu unterstützen. "Verstanden" habe ich es sicher bis heute noch nicht ganz - wer will das schon von sich behaupten Aber ich war damals gezwungen mich durch "learning bei doing" an das Internet zu nähern, seine technischen Grundlagen zu verstehen und das hat mir dann geholfen. Oliver Gassner: Das mit dem 'wirklichen Potential des Netzes' interessiert mich noch - was wäre das genau? Ossi Urchs: Ok - aber das braucht etwas länger. Potential beinhaltet die Frage: was ist das eigentlich Neue am Netz und das ist: seine Interaktivität, Multimedialität und Personalisierbarkeit das alles zusammen hat kein anderes Medium vor ihm zu bieten gehabt und die Kombination macht es bis heute so erfolgreich es gibt nicht mehr die prinzipielle Trennung von "Sender" und "Empfänger", sondern jeder Nutzer kann prinzipiell mit jedem anderen in Austausch treten. Etwas, dessen Potential wir erst heute - mit dem "Web 2.0" beginnen zu realisieren. Oliver Gassner: Und die meisten wollen das auch? Aktiv sein statt berieselt werden, ein Video zur Unfallmeldung und x Checkbook zum ankreuzen? Ossi Urchs: Das sind ja nur erste Gehversuche. Denk mal wie die ersten Webseiten aussahen. Oliver Gassner: Grauer Hintergrund, Lauftext, Hundefoto ;) Ossi Urchs: LoL. Nobody knows you're a dog. Ossi Urchs: und was bis heute daraus geworden ist in gerade mal 10 Jahren!!! Oliver Gassner: Das frage ich mich immer: Ist es halbwegs realistisch zu projizieren, was in 5 oder 10 Jahren sein könnte? Ossi Urchs: Na ja, in 5 vielleicht noch, was in 10 Jahren mit dem Netz sein wird, was aus ihm geworden sein wird, das weiss heute niemand. Wer etwas anderes behauptet ist entweder naiv oder schlicht dumm. Oliver Gassner: Vor 5 oder 6 Jahren habe ich dich bei einer SUN-Veranstaltung gehört, das war so eine Deutschlandtour. Da hast du im Prinzip das erzählt as jetzt Realität ist: Netz auf kleinen Geräten, überall Netzzugang. Damals hatte wir gerade mal WAP auf Handys. Da lagst du also ganz gut. Ossi Urchs: Ja, ein Horizont von 5 Jahren scheint mir für eine trend-analyse noch fassbar, so lange der Trend sich in einem überschaubaren Zusammenhang bewegt. Alles darüber hinaus erinnert mich immer an Kristallkugeln oder Tischerücken ;) Oliver Gassner: Gut, dann versuchen wir das mal: Was wird in 5 Jahren sein? Internet, Mobile, 3D, Social Networks, Web 4.0. Was immer. Ossi Urchs: Also: zuerst denke ich, dass das Netz immer mehr hinter seinen Anwendungen "verschwinden" wird. Denk an IP-Telefonie: da denkt heut schon niemand mehr ans Internet sondern einfach an billigeres Telefonieren. Das gleiche wird auch für IP-TV gelten usw. Oliver Gassner: Also so wie heute "alles" Chips hat wird bald alles eine Funkverbindung zum Netz haben. Ossi Urchs: Ja genau der Netzzugang von Geräte wird eine Selbstverständlichkeit.- Aber das eigentlich spannende werden die neuen Anwendungen sein: Social Networks, das "semantische" Web usw. Das wird uns neue Formen der Kommunikation und des Austausches liefern. Oliver Gassner: Was ist bei Social Networks denkbar? Jemand meinte mal: "Ich werde in der S-Bahn sitzen und mein Handy wird mir sagen, dass ein Kontakt 2. Grades von XING mit mir in der Bahn sitzt" - so was? Ossi Urchs: Na ja, eher weniger. Social Networks entfalten ihre Kraft dadurch, dass Menschen mit einander kommunizieren und zusammen arbeiten können, die das ansonsten nicht könnten weil entweder geografische oder sprachliche grenzen das verhindern. In Zukunft wird es ausreichen, dass 2 Menschen am gleichen interessiert sind intelligente "match-making" Tools im Web werden sie zusammen bringen: "schau mal der oliver arbeitet schon seit Jahren and en gleichen Themen wie du. Ihr solltet euch mal austauschen" Semantisches Web - so macht das Sinn. Oliver Gassner: Und was wird sich bei der Vernetzung der sozialen Netzwerke tun? Es ist doch massiv ermüdend überall wieder sein 'normales' Netzwerk zu rekonstruieren: single sign on oder OpenID? Alle Kontakte in jedem Netzwerk? Wird so etwas passieren? Das wäre doch die Voraussetzung. Ossi Urchs: Ja sicher. Identity Management ist eines der großen Themen und jetzt nicht mehr nur IM Unternehmen (single sign on), sondern über das ganze Netz hinweg. Es wird ein netzbasiertes "Repository" für solche Informationen und deren Anwendung geben. Die große Frage: wer wird das managen? Microsoft oder Google? Ich denke: keiner von beiden sondern die Nutzer selbst.... Oliver Gassner: Also eher Richtung FOAF und OpenID: verteilte SN-Infos? Ossi Urchs: ... mit Hilfe intelligenter Agenten (= Software). OpenID ist sicher ein Ansatz aber immer noch von zentralistischem Denken geprägt. Oliver Gassner: An sich kann ja jeder seinen eigenen OpenID-Server bauen. So wie man seinen eigenen SMTP-Server betreiben kann. Ossi Urchs: Ich denke, dass jeder, der eine Website/Blog betreibt sein eigener ID-Server werden kann dort hinterlegt er Profile und Scenarios die bei Bedarf mit Dritten ("Trusted Third") und deren Infos angereichert werden z. b. Bank- oder Gesundheits-Infos. 24] Oliver Gassner: Es gibt ja dieses Schlagwort vom Enterprise 2.0. In IT-lastigen Firmen scheint sich das ja zum Teil 'von unten' durchzusetzen. Aber selbst in 'normalen' Technologiefirmen ist die Diskussion um die Rechtevergabe im internen Wiki der 2.0-Killer. Lernen die das noch rechtzeitig? Müssen die ihre Kontrollmanie pflegen oder geht es auch anders? Ossi Urchs: Es MUSS anders gehen sonst entwickelt sich ein "Unternehmens-Underground". Komme ich nicht an das "offizielle" Wiki in meinem Unternehmen ran, schreibe ich eben in einem anderen über die gleichen Themen - sicher nicht im Sinne der restriktiven Unternehmen. Oliver Gassner: Das heißt die Mitarbeiter kündigen sozusagen den Informationsfluss und organisieren sich so, wie sie es vom privaten Netzumfeld kennen? Ossi Urchs: Ja, genau: Warum soll ich im Unternehmen auf Vorteile, die ich als privater Nutzer habe und schätze, verzichten! Den Unternehmen bleibt also gar nichts anderes übrig als sich darauf einzustellen. Unternehmen sind wie Menschen: im Grunde recht konservativ: "never change a running system" das hat in Zukunft keine Chance mehr. Oliver Gassner: Als ich kürzlich in einer Diskussion sagte: Benutzen sie doch die Wikipedia und del.icio.us, da wurde etwas von Urheberrecht gemurmelt. Ich hatte den Eindruck, auf einem anderen Planeten zu sein. Wie kann man diese Onlinekultur in die Firmen reinvermitteln? Oder müssen die das auf die harte Tour lernen? Ossi Urchs: Wahrscheinlich: Ja - oder sie engagieren kompetente Berater und lernen über ihren eigenen Schatten zu springen. S. o. : dann gibt es das eben noch "running system" plötzlich nicht mehr. Oliver Gassner: Das heißt sie müssen erst die Kontrolle über ihr eigenes Intranet verlieren, bis sie merken, dass die Leitungen brennen? - Ich hab mal von einer Firma, die Weblogprojekte macht gehört: "Ohne Evangelisten IN der Firma gehe gar nichts." Ossi Urchs: Das kann schon sein Oliver Gassner: Muss die Innovation vielleicht von innen kommen? Müssen die Angestellten die Berater werden? Ossi Urchs: Der Ansatz wäre natürlich der beste: interne Consultants - ist aber eher selten. Manchmal kommt der Innovationsdruck aber auch von "oben" oder von "aussen". Welcher Angestellte hat schon den Mut sich gegen seinen Chef aufzustellen und offen zu sagen. "So funktioniert das nicht!" Als Externer tut man sich da doch deutlich leichter. Oliver Gassner: Nun, an sich könnten das doch die Angestellten tun? Sie formen "Untergrundgruppen" und sobald einer aufsteigt wird das System offiziell. Das heiß das Netz bedingt einen Kulturwandel, auch in Unternehmen. Ossi Urchs: Auf jeden Fall!!! Dort noch mehr als in der "breiten Öffentlichkeit". Oliver Gassner: Wenn sozusagen die Leute privat die Kompetenzen erwerben, dann lernen die Firmen 'viral': durch Infektion. - Stimmt, die Chefs sind ja noch immer stolz darauf keinen Computer auf dem Schreibtisch zu haben. Ossi Urchs: Aber das Problem erledigt sich zur Zeit gerade "biologisch" ;) Der virale Infekt ist sicher ein gutes Bild, auch in diesem Zusammenhang: Wer trägt das Virus in das Unternehmen hinein? Wahrscheinlich ein externer "Wirt" - das bringt uns zu einem anderen aspekt. der Auflösung traditioneller Organisationsformen und dazu zählen u. U. auch Unternehmen werden ersetzt durch "Projekt-Gruppen" Oliver Gassner: Kürzlich überlegte ich, ob angestellte nicht viel mehr wie Freiberufler agieren müssten. Ossi Urchs: Ja genau, das sehe ich auch Oliver Gassner: Also: Sich ständig im Unternehmen an interessante Projekte 'verkaufen'. Ossi Urchs: "Freie" sind zwar ein Euphemismus, aber dahin geht der Weg. Ob im oder ausserhalb: das Projekt zählt. Oliver Gassner: Gibt es Unternehmen, die so was machen - sagen wir mal: Außer Google mit seinem '5. Tag'? Ossi Urchs: Hm, Beispiele??? Oliver Gassner: Yep. Ossi Urchs: Google ist da sicher ganz weit vorn. Microsoft könnte auch das eine oder andere Beispiel liefern, denke ich Aber: wo es so was gibt, wird es meist nicht an die grosse Glocke gehängt : ANGST! Ein sehr deutsches Wort Oliver Gassner: Super Antriebsform für Kreativität... James Watt und da Vinci und Einstein hatten sicher viel Angst.... Ossi Urchs: Ja, wenn's denn dienlich ist. Eher eine gesunde Neugier. Es gibt immer "Neophobe" und "Neophile" ANGST vor dem Neuen = Starre! Liebe zum Neuen = Los geht's! Oliver Gassner: Braucht es da Incentives oder ist der Mensch an sich so gestrickt, wenn man ihn denn lässt? Ossi Urchs: Incentives sind ja nie schlecht, aber wenn jemand neugierig ist, ist die Entdeckung schon Incentive genug. Oliver Gassner: Was sind die Themen, mit denen du dich gerade beschäftigst? Ossi Urchs: alles mögliche im Web 2.0-Umfeld: von Corporate Blogs über Unternehmens-Wikis bis zu WoM und ID-Management und natürlich der Mega-Trend: Online-Video Oliver Gassner: Ich finde gerade die ganzen Live-Video-Formate spannend. Ossi Urchs: Ja sicher. Und "digital commerce", also der Verkauf von digitalen Waren, aber auch vieles aus dem UGC-Bereich, da schlummert viel Talent. Oliver Gassner: Vielen Dank für das Interview. Ossi Urchs: Gerne!!! Das Weblog von Ossi Urchs: http://www.urchs.de/LogOn/ Glossar: ugc: user generated content, Inhalte, die von Nutzern erstellt werden, wie bei Blogs, Profilen in Social Networks oder in der Wikipedia. SN: Social Network incentive: Belohnung, Bonus WoM: Word of Mouth, Empfehlungsmarketing KommentareNoch keine Kommentare vorhanden. Kommentieren? Dein Kommentar
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![]() Even if he hate to disappoint... Oliver Schwartz: Communicating ComBOTS [vm 18.9.2007] Björn Behrendt (hiogi.de): Mobile Antworten Dominik Matyka, youmix.de: Von der Location bis zum Musikkauf und zum Event-Ticket David und Andreas von youop.de: Fertigpizzas und ihre Verknüpfung mit dem besten Biergarten Münchens Stephanie Staar (netmoms.de): Mütter im lokal und im Netz Ossi Urchs: Über Angst und Neophilie, die Rettung der Welt und die nächsten fünf Jahre im Netz
![]() Nun ja, im Impressum der Readersedition dürften Sie da fündig werden, nicht? [oliverg] Bitte um e-mail und Tel Nr.von Dr. Maier ... [Witzeling Franz] Mich auch ;) ... [oliver gassner] Du verwechselst mich mit Oliver Samwer ;) ... [oliverg] Mich würde mal interessieren wie das mit der Vermarktung mittlerweile geklappt hat. [tatti] Yep, wie bei manchen davon. Bzw. Modelle, die erwünschtes Verhalten auf Benefitanteile abbilden. Ich... [oliver gassner] @ Nun ja, dass local das next big thing ist, das wusste man seit dem Crash ;) ... [Gleb Tritus] Nun ja, dass local das next big thing ist, das wusste man seit dem Crash ;) ... [Oliver G]
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