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Oliver Schwartz: Communicating ComBOTS [vm 18.9.2007]

um 14:18 | Dienstag, 25.09.2007 | Thema: Interview




Oliver Gassner: Hallo Herr Schwartz!
Oliver Schwartz: Hallo Herr Gassner!
Oliver Gassner: Wären Sie son nett sich unseren Leserinnen und Lesern kurz vorzustellen und zu erzählen, was der "Head of Corporate Communications" der COMBOTS AG vorher gemacht hat?
Oliver Schwartz: Ich leite bei der ComBOTS AG die Unternehmenskommunikation und bin seit mittlerweile 12 Jahren in der IT-Industrie. Stationen waren zum Beispiel PR-Manager bei 3Com, Palm oder U.S. Robotics oder auch VP Corporate Communications bei der ELSa AG. Nach mehreren Jahren in der WLAN-Branche (WeRoam, Gemtek Systems) bin ich 2004 als Director Communications zur WEB.DE AG gekommen, der heutigen ComBOTS AG.
Oliver Gassner: Wie viele Leute sind da mit der Kommunikation beschäftigt? In welche Untergruppen unterteilt sich so etwas?
Oliver Schwartz: Mit dem Verkauf unseres WEB.DE Portalgeschäfts an United Internet habe ich auch mein gesamtes Team mit überführt und baue seit März 2006 für ComBOTS eine neue Kommunikations-Infrastruktur auf. Aktuell sind wir im Headquarter zu dritt und werden unterstützt durch ein 5-köpfiges Team in unserer deutschen PR-Agentur und weitere Mitarbeiter bei diversen internationalen PR-Agenturen, da aber projektweise.
Oliver Gassner: Das heißt es sind nicht bestimmte Leute einzelnen Zielgruppen (User, Investoren, Blogger, Presse, ...) zugeordnet sondern man setzt für jeden Fall ein Projekt auf?
Oliver Schwartz: Unsere Kunden werden vom Bereich Customer Care betreut, die Investoren von unserem IR-Team. Die gesamte Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, aber auch Newsletter, Kooperationen, Sponsoring, Events und Promotions sind in dem Bereich Corporate Communications gebündelt. Eine klassische Marketingabteilung führen wir nicht. Unser Schwerpunkt liegt in der Markteinführungsphase klar auf die Ansprache über Medien und Multiplikatoren.
Oliver Gassner: Wie sortiert man eigentlich so komplexe Kommunikationsziele auseinander: Sexy für Anleger sein und attraktiv für User gleichzeitig. Gibt es da keine Konflikte?
Oliver Schwartz: Wir sehen das ganz nüchtern: Wir sind dann "sexy" für Anleger wenn wir attraktiv für User sind. Unser Aktienkurs ist deutlich unter unseren liquiden Mitteln, d.h. aktuell gibt es keine Vorschuss-Fantasie aber auch keine Kurs-Achterbahnfahrten. Erst einmal gilt es den Proof of Business Concept zu erbringen. Alle Kräfte sind gebündelt auf der Nutzerskalierung - hier in der Gewinnung aktiver Nutzer, die auch wieder ihren Beitrag zur viralen Verbreitung leisten.
7Oliver Gassner: Wir sollten vielleicht für diejenigen, die Combots nicht kennen, kurz klären, was diese Software tut.
Oliver Schwartz: ComBOTS vereinfacht die persönliche, internetbasierte Kommunikation und integriert dabei die Segmente Messaging, Telefonie, Dateitransfer und Datensynchronisation. Dank unserer Architektur und dem sehr leistungsstarken Rechenzentrum können ComBOTS Nutzer auch sehr großvolumige Nachrichten bis zu 1GB (mit hunderten Fotos, Musikfiles etc.) serverbasiert versenden, d.h. auch dann wenn der Kontaktpartner gerade offline ist. ComBOTS setzt auf einfache Bedienung und auf Emotionen: Jeder meiner Kontakte ist über einen animierten 3D-Avatar repräsentiert. Der Verzicht auf ein öffentliches Adresssystem vermeidet dabei SPAM.
Oliver Gassner: Und das ganze ist sehr rund und futuristisch designt und scheint primär auf ein jüngeres Publikum zu zielen - also: Fun statt Schweiß - richtig?
Oliver Schwartz: In der Tat haben wir sehr viel Wert auf das Design und die Nutzeroberfläche gelegt. Dabei haben wir zum Beispiel mit den Design-Experten von frog Design zusammengearbeitet. Die Benutzung von ComBOTS erfordert kein Handbuchstudium und ist auch Computerlaien möglich. Dies ist ein Vorteil der auch ältere User anspricht. Wie flippig oder elegant mein Desktop nachher aussieht ist mir überlassen. Unser Avatar-Angebot reicht von SpongeBob über Garfield bis hin zu dezenten Businessobjekten. Aber ganz klar: Wir nehmen dem User im Hintergrund die Konfigurationsarbeit ab. Also in der Tat mehr Fun als Schweiß.
Oliver Gassner: Ich bin zar vorhin an dem Ding gescheitert, aber wie schieben das mal auf die fast 80 MB, die das Teil zusätzlich aus meinem von Firefox mit 111 MB zugemüllten Speicher haben wollte - Zurück zur Usergewinnung: Geld ist doch genug da, warum kriegen die User ihre Mäuse nicht hoch? - Der hat sich das in den letzten Wochen und Tagen geändert?
Oliver Schwartz: Erst einmal ein offenes Wort zur Software: Ja, wir hatten im Herbst 2006 mit unserer Beta "Sand im Getriebe". Die Systembelastung war zu hoch und die Software entsprach noch nicht unseren eigenen Qualitätsansprüchen. In enger Zusammenarbeit mit den Beta-Usern haben wir in gerade 6 Monaten bis zur CeBIT 2007 eine deutlich verbesserte 1.0 Version vorgelegt und seitdem stetig weiter optimiert. ComBOTS heute läuft rund und wird vom normalen User keinesfalls mehr als sperrig oder ressourcenfressend wahrgenommen. Es gab aber weitere Hürden, die wir überwinden mussten. Erst im Frühsommer haben wir die Sollbruchstellen geöffnet und Brücken in die restliche Messengerwelt geschlagen. Gerade nutze ich zum Beispiel die Messenger-Kompatibilität von ComBOTS und chatte mit Ihnen mittels ComBOTS über Jabber. Auch die Telefonie-Features haben wir deutlich überarbeitet. Zur IFA Ende August haben wir ein runde und schöne ComBOTS-Version vorgestellt, die viele Nutzer-Wünsche aufgreift und jetzt auch auf zahlreichen Nokia und Sony Ericcson Mobiltelefonen läuft. Die Conversionsraten sind nun besser und auch der geänderte, vereinfachte Registrierungsprozess hilft jetzt bei der verbesserten Nutzergewinnung. Vielleicht zusammengefasst: Uns ist es nicht gelungen, die vielfältigen Vorteile von ComBOTS so rüberzubringen, dass die Interessenten auch wieder eigene Freunde eingeladen haben. Die wichtige, virale Verbreitung blieb stecken. Nun vermitteln wir auch mit unserer neuen Website wesentlich segmentierter und holen die Interessenten bei Einzelthemen ab, denn nicht jeder braucht alle Funktionen von ComBOTS. Das sind Learnings, die -zugegebenermassen- auch wir mit unseren 12 Jahren Erfahrung im Consumermarkt machen mussten. Die Weichen sind nun gestellt und wir sind zuversichtlich, dass der Zug jetzt deutlich schneller an Fahrt gewinnt.
Oliver Gassner: Wir wollen es hoffen: In meinem Umfeld jedenfalls scheint es bisher nicht verbreitet. - Vielleicht werfen wir mal einen Blick auf ein paar Kommunikationsherausforderungen bei Combots: Fangen wir mal mit aktuellen Nachrichten an: Combots hat jetzt wie gerade erwähnt Schnittstellen zu anderen Gesamtsystemen wie MSN, Jabber/Mabber, Wie schiebt man so etwas ins Konzept ein, denn das war ja nicht von Anfang an geplant?
Oliver Schwartz: Sie können nun im Kontextmenü Ihre Account-Daten für alle gängigen Messengersysteme und auch die Daten Ihres SIP-Accounts (z.B. von Ihrem DSL-Anbieter) eingeben. ComBOTS erzeugt dann für jeden Ihrer Messenger-Accounts einen ComBOTS Folder mit all Ihren Kontakten und ermöglicht beim Telefonieren die Nutzung Ihrer eventuell vorhandenen Telefon-Flatrate. Die Messenger-Anbindung ist völlig nahtlos in die ComBOTS Benutzeroberfläche integriert und umgekehrt kann ich sogar meine Avatere in den Buddylisten meiner Freunde bei ICQ & Co. erscheinen lassen. Der Zeitpunkt für diese Öffnung nach außen war sicherlich eine Reaktion auf die Nutzerwünsche. Unsere ComBOTS-Architektur hat dies problemlos ermöglicht.
Oliver Gassner: In der Vergangenheit hörte man ja von Combots eher, dass die Gewinne und User fehlen und dass die Aktie schwächelt. Wie findet man da positive Kommunikationsthemen?
Oliver Schwartz: Unsere Nutzer sind Endkunden, die sich weder für unseren Aktienkurs interessieren noch für unsere Gewinne. Hier gibt das vielseitige Produkt genug schöne Themen her, zum Beispiel unsere neue "Create Your Character" Funktion zum Selbstgestalten der Avatare. Aber ganz klar: In Deutschland haben mein Team und ich es nicht gerade leicht diese Themen über die Medien zu kommunizieren, da die professionellen Marktbeobachter und Multiplikatoren wie Journalisten, Analysten etc. einen sehr kritischen Blick auf unseren bisherigen Markterfolg werfen und sich mehr für unsere Investitionen als für den Produktnutzen interessieren. Ihr gutes Recht! Aber wir sollten bei den Fakten bleiben: Das Unternehmen ist kerngesund, wir konnten sogar den inneren Wert weiter steigern. Als größter Aktionär bei United Internet (nach dem Gründer Ralph Dommermuth) verdienen wir weitaus mehr an unserem Aktienpaket als wir in Forschung, Entwicklung, Betrieb und Markteinführung investieren. Es wird also keinesfalls Geld verbrannt. Dennoch dominieren Headlines über "0 Euro Umsatz" gegenüber Berichten über Nutzen und Weiterentwicklung der Software. Dies ist die Situation in Deutschland, ist völlig normal in unserer Mediengesellschaft und kein Grund zum Jammern. Hier helfen uns nur Fakten und Erfolgszahlen. Im Ausland sind das ganz anders aus. Hier haben wir keine langjährige Historie und damit auch nicht die positive oder negative Hypothek. Hier wird ComBOTS sehr unvoreingenommen und positiv wahrgenommen. Aber noch einmal zu Deutschland: Wir hatten einen prima Launch mit massiver, positiver Berichterstattung und dan im Anschluss leider eine Ausbremsphase mit unserer Beta-Version, die zu Enttäuschungen und teilweise Desinteresse geführt hat. Der zweite Anlauf ist nun deutlich anstrengender, aber das ist unser Job und wir sind da sehr zuversichtlich bald wieder mit deutlich besseren Schlagzeilen dazustehen. Im Herbst haben wir erstmals die Situation, dass wir direkt in die Marketingaktionen zu einem großen Filmstart ("Lissi und
der wilde Kaiser" von Michael Bully Herbig) eingebunden sind, das wird ein schöner Anschub werden.
Oliver Gassner: Wenn die normalen Medien nicht anspringen: Sind die Blogger da die besseren Kommunikatoren? Oder bringt das zu wenig?
Oliver Schwartz: Unter Kommunikations-Experten ist das eine gern geführte Diskussion. Es ist auch unstrittig, dass Blogs mittlerweile eine wichtige Rolle bei Recherche und Meinungsbildung darstellen. Für uns als Anbieter im Consumermarkt sind aber immer noch die klassischen Massenmedien im Vordergrund. In unserem speziellen Fall hat auch aktuell Print Vorrang vor Online. Das ist keineswegs eine Geringschätzung oder antiquiertes Denken, sondern resultiert aus dem Umstand, dass wir nicht die Experten adressieren sondern den "Otto-Normalverbraucher", der durch die vielen Kommunikationsdienste im Internet und die Technik insgesamt überfordert ist und sich nach einer leistungsstarken, einfachen Lösung sehnt. Diesen potentiellen User erreichen wir besser über die Tageszeitung am Frühstückstisch als über Onlinemedien oder Blogs. Aber seien Sie sicher: Auch für uns nehmen in den weiteren Phasen der Markteinführung diese internetbasierten Medien an Bedeutung zu und generell ist sicherlich unstrittig, dass Foren und Blogs heute schon massiven Einfluss auf die Marken- und Imagebildung haben - gerade auch im Falle von Kritik oder Krise.
Oliver Gassner: Die Vorgängerfirma Web.de wird ja immer wieder in einem Atem mit Combots genannt. Ist das eher ein Plus- oder ein Minuspunkt?
Oliver Schwartz: Wie zuvor erwähnt ist das eine Hypothek, im positiven wie im negativen Sinne. WEB.DE gibt uns Credibility, da wir hier über 10 Jahre ein Angebot zur klaren Nummer 1 aufgebaut haben, gegen massiven Wettbewerb. Das wir also etwas vom Consumermarkt und den Bedürfnissen der breiten Masse der Internetuser verstehen ist somit unstrittig. Andererseits haben wir die ungewöhnliche Situation, dass wir als etablierte Aktiengesellschaft eine reine Entwicklungsphase (ohne fertiges Produkt und Umsätze) durchlaufen haben, die man sonst nur von Start-Ups in der berühmten Garage kennt. Die strategische Komponente des Verkaufs von WEB.DE an United Internet wurde nicht von allen verstanden und belastet jetzt die Wahrnehmung von ComBOTS. Insgesamt überwiegen aber die Pluspunkte!
Oliver Gassner: Auf die Phase 'ohne Produkt' am Anfang wollte ich zum Schluss auch noch kommen: Zuerst wurde ja nicht verraten, was Combots tut, und man erwartete die Revolution aus der web.de-Ecke. es kam ein Messenger mit "coolen" 3D-Avataren und Filtransfer. Da waren dich einige vor den Kopf gestoßen, oder?
Oliver Schwartz: Die Strategie dem Produktlaunch die Dramaturgie des Geheimnisvollen zu verpassen hat für das Timing der medialen Berichterstattung und zur Steigerung des Interesses prima funktioniert. Hintergrund waren aber zum Beispiel Gesichtspunkte der Intellectual Property, zum Beispiel Patentanmeldungen etc. - nachdem dann das Produkt im Anschluss an den Launch nicht sofort lossprinten konnte hatten wir natürlich die Kritik auf unserer Seite. Es wurde so empfunden als ob wir den Mund sehr voll genommen hätten und viele Elemente des heutigen ComBOTS-Produktes waren ja noch gar nicht zu sehen. Im Nachhinein ist dies aber müßig. Unsere Strategie hatte gute Chancen aufzugehen. Die Verzögerungen beim Produkt waren nicht eingeplant - dies mag man kritisieren.
Oliver Gassner: Gut, wir blieben jedenfalls gespannt wie sich Combots eingeklemmt zwischen Filesharing, Second Life und den 'alten' Chatprogrammen mausert. Vielen Dank für das Gespräch.
Oliver Schwartz: Sehr gerne!

Update: Deises Gespräch wurde vor eine Woche geführt, gerade weist man mich hin auf:

"Im Rahmen einer Ad-hoc-Meldung teilte das Unternehmen heute mit, seinen
kostenlosen Service für die persönliche, digitale Kommunikation
einzustellen. Alle Versuche, Combots erfolgreich am Markt zu
etablieren, seien fehlgeschlagen. Eine aktuelle Bewertung der
Bemühungen im laufenden Jahr habe gezeigt, dass keine ausreichende
Perspektive bestehe, um den Service in der jetzigen Form
weiterzuentwickeln."

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Nun ja, im Impressum der Readersedition dürften Sie da fündig werden, nicht? [oliverg]

Bitte um e-mail und Tel Nr.von Dr. Maier ... [Witzeling Franz]

Mich auch ;) ... [oliver gassner]

Du verwechselst mich mit Oliver Samwer ;) ... [oliverg]

Mich würde mal interessieren wie das mit der Vermarktung mittlerweile geklappt hat. [tatti]

Yep, wie bei manchen davon. Bzw. Modelle, die erwünschtes Verhalten auf Benefitanteile abbilden. Ich... [oliver gassner]

@ Nun ja, dass local das next big thing ist, das wusste man seit dem Crash ;) ... [Gleb Tritus]

Nun ja, dass local das next big thing ist, das wusste man seit dem Crash ;) ... [Oliver G]